150 Jahre Schützengesellschaft Birmenstorf

Die Vereinschronik in Kurzform

Verfasser: Max Siegrist, Chronist SG Birmenstorf, 2010

Zitat: „In den letzten Jahren kam bei uns immer mehr der Trend auf, das Alte zu bewahren und zu schützen und altes Brauchtum neu aufleben zu lassen. Für mich ist das Schiessen ein Sport und ein Hobby. Für unser Land geht aber die Bedeutung noch weiter. Die aktiven Schützenvereine sind ein Teil unserer Landesverteidigung“.

 

Deutliche und bewegende Worte aus dem Jahresbericht 1987 des Ehrenpräsidenten Heinz Rey. Das ist das Gedankegut das es braucht, damit ein Verein 150 Jahre alt werden kann und ein Spitzenverein ist, der am diesjährigen Eidgenössischen Gesamt-schweizerisch den 20. Rang von 473 Vereinen in der Kategorie 4 belegt hat. Mit 23 Teilnehmern und einem Sektionsschnitt von 91.888 Punkt ist das ein sensationelles Resultat.

 

Und jetzt drehen wir das Rad der Zeit um 190 Jahre zurück, denn bereits 1820 ist in Birmenstorf der erste regionale „Übungsplatz für Scharfschützen“ auf der Egg erbaut worden, auf Anfrage des kantonalen Kriegsrates in Aarau.

Es ist dann in mehreren Etappen das Schützenhaus und der Scheibenstand gebaut und umgebaut worden und auch die Schützestube ist zum grossen Teil in Fronarbeit erstellt und modernisiert worden, mit hunderten Stunden Einsatz zum Wohl des Verein und zur Schonung der Kasse.

 

Über die Gründung des ersten Schützenvereins gibt es widersprüchliche Angaben, aber in den heute noch gültigen Statuten vom 6.2.1954, steht, dass die Schützengesellschaft Birmenstorf 1860 gegründet worden sei.

Aus dieser Gesellschaft sind die Freischützen hervor gegangen und haben am 16.2.1906 im Bären einen eigenen Verein gründet. Der Art. 1 in den Statuten lautete: „Die Freischützen Birmenstorf, als freiwilliger Schiessverein, bezwecken, gestützt auf alle Verordnungen des eidgen. Militärdepartements, durch Schiessübungen, sowie durch Bande der Freundschaft und die Verbrüderung der Gemeinde und dem gesamten Vaterlande, wichtige Männer heranzubilden“.

 

1922 kam es dann zur Fusion (oder der „Verschmelzung“) zwischen der Schützengesellschaft oder wie es z.T. auch hiess Feldschützengesellschaft und den Freischützen. Die Gründungsversammlung der „neuen Schützengesellschaft Birmenstorf„ hat am 11.3.1922 statt gefunden und es waren 51 Schützen anwesend. Sie haben einen 9- köpfigen Vorstand gewählt. In geheimer Abstimmung als Präsident, Anton Meyer, Werkmeister; als Vizepräsident Alois Biland, Fuhrhalter und mit offenem Handmehr als 1. Aktuar, Joseph Halter, Lehrer;

1. Schützenmeister, Gottlieb Biland, Sektionschef und weitere 6 Vorstandmitglieder. Laut Protokoll, sind nach längerer Diskussion 100 Liter Bier aus der Vereinskasse bewilligt worden, davon hat man 50 Liter am gleiche Abend getrunken und die andere Hälfte an der nächste Sitzung im Feldschlössli.

 

Und jetzt einige Müsterlein aus dem Vereinsleben der Schützengesellschaft Birmenstorf, nicht nur über das Schiessen: In der Festzeitung vom ESF 1924 in Aarau ist ein Artikel „Aargauer Land und Aargauer Wein“ erschienen und dort ist der Birmenstorfer Wein, wie folgt beschrieben worden: „Eine Heimat von eigenem Reiz hat der Birmenstorfer und er macht ihr mit seinem köstliche Bouquet und der leuchtenden roten Farbe alle Ehre. Von den Hügeln hinter dem Dorfe, wo er in wohlgehüteten Rebbergen wächst und in 3 Spezialitäten, dem Netteler, dem Stützemer und dem Kalofener, dem Gaumen bei prüfendem Vergleich das Urteil schwer macht, sieht man hinab in das tief eingeschnittene Tal der unteren Reuss und westwärts in ein Land von ganz besonderer Stimmung. Nach Süden aber schweift der Blick flussaufwärts ins Freiamt“.

 

Jetzt aber wieder zurück zum Schiessen. Freundschaftsschiessen waren immer sehr beliebt und man hat mit vielen Vereinen, vor Allem aber mit den Gebenstorfern regelmässig solche durchgeführt. Dorthin ging man natürlich zu Fuss und es musste damals recht lustig zu- und her gegangen sein. Auch die Endschiessen haben eine lange Tradition, denn schon seit 1900 ist von „End- und Gerümpelschiessen, Chilbi- und Gabenschiessen und von Becherschiessen“ die Rede und schon bald ist auch der beliebte „Wildsaustich“ (das heimliche Wappentier der Birmenstorfer) ins Jahresprogramm aufgenommen worden. Aber auch die Vereinsmeisterschaft hat schon früh einen festen Platz im Jahresprogramm eingenommen und ist heute noch der Massstab im Schützenjahr.

 

Und nun zu den Fahnen. Bereits 1886 hatten die Birmenstorfer eine Fahne gehabt. Dann haben die Freischützen ihre Fahne 1907 eingeweiht, die nach der Fusion 1922 von der „neuen Schützengesellschaft Birmenstorf“ übernommen wurde. Auf ihre stand der alte Schützenspruch „ Scharfes Auge, ruhig Blut, ist des Schützen höchstes Gut“. 1956 wurde die Standarte eingeweiht und der Ehrepräsident Paul Zehnder hat auf den eigentlichen Wert des neuen Symbols hingewiesen, gemäss folgendem Spruch: „Treu dem Banner, Treu dem Sport, Treue heisst auch unser Losungswort“. 1965 ist eine neue Fahne eingeweiht worden verbunden mit einem Fahnenweihschiessen.

 

Und nun zurück ins Jahr 1980. In diesem Jahr hat das 120-Jahr-Jubiläum stattgefunden.

Das Fest hat in etwa so ausgesehen: An 3 Schiesstagen ein Jubiläumsschiessen, am Samstag einen Unterhaltungs- und Tanzabend in der Trotte, am Sonntag ein ökumenischer Gottesdienst, ein Mittagskonzert vom Musikverein, einen Ballonwettbewerb und dann der grosse Festumzug durch das Dorf mit über 100 Mitwirkenden aus den verschiedensten Vereinen. Um Vier Uhr am Nachmittag fand dann die Jubiläumsfeier in der Trotte statt. Und das Ganze super organisiert und inszeniert, einmal mehr, vom OK-Präsident Beda Humbel, dem unermüdlichen Schaffer und Perfektionisten, der zusammen mit dem Vereinspräsidenten Heinz Rey und den weiteren Vorstandsmitgliedern und zusätzlichen Helfern ein einmaliges Fest auf die Beine gestellt hat.

 

Und jetzt geht es noch ein wenig in die Neuzeit, nach 1980. Da wären die Ehremitglieder, die noch unter uns sind: Arthur Spycher seit 1961 Ehremitglied, Josef Huser und Hans Lienhard seit 1965, Heinz Rey als Ehrenmitglied seit 1987 und als Ehrepräsident seit 1993, Ernst Tschümmy seit 1989, Lioba Schneider vom Feldschlössli und Sylvain Renold seit 1991,Andreas Schöni, Fritz Steffen, Hansruedi Müller seit 1995, Martin Egli 2001.

Dann sind die Vereinspräsidenten der Neuzeit zu erwähnen, die viel zum guten Klima im Verein beitragen können: 1967 – 1992 Heinz Rey, 1993 – 1997 Daniel Jelovcan,1998 – 2007 Andreas Schöni, seit 2008 Andreas Dürr.

 

Nun ist da noch die Geschichte vom Schiessstand. Nachdem im Jahr 1987 die neue Lärmschutzverordnung in Kraft trat, haben Messungen ergeben, dass das Schützenhaus ab 2002 nicht mehr benützt werde darf. 1995 hat man dann eine neue Schiessanlage in der Bollere, zusammen mit Baden, Fislisbach und evtl. Niederrohrdorf geplant, die nach dem Ausscheide von Baden schubladisiert wurde und für Birmenstorf ist nach neuen Lösungen gesucht worden.

Am 1. Oktober 2003 ist dann eine Türe aufgegangen und in der „Kleinregionalen Schiessanlage Mühlescheer“, auf Wohlenschwiler Boden, konnte sich die Gemeinde Birmenstorf einkaufen und die Birmenstorfer Schützen sind seit dann ein gut akzeptiertes Mitglied mit 6 andere Verein zusammen.

 

Was lief im Jubiläumsjahr 2010? Im April haben wir das150-Jahr Jubiläumsschiesse in der Mühlescheer durchgeführt, mit 601 Teilnehmer ein voller Erfolg.

Das Eidgenössische Schützenfest in Aarau hat dem Verein ein sensationelles Resultat gebracht, das obenstehend bereits erwähnt ist. Und die Mithilfe am 5. Convoy to Remeber, dem grössten Militäroldtimer-Treffen in der Schweiz, war für die Mitglieder der Schützengesellschaft Birmenstorf absolute Ehrensache.